Avatar

"Avatar" rangiert auf Platz 1 der 25 erfolgreichsten Filme aller Zeiten. - Foto: © FOX

7 Regeln für den Kinoerfolg

Hollywood-Blockbuster

TV DIGITAL hat die erfolgreichsten Filme aller Zeiten analysiert und die Kassenhit-Formel entschlüsselt: die sieben Regeln für den weltweiten Kinoerfolg.

Kleines Rollenspiel: Sie sind Filmproduzent und wollen einen weltweiten Kassenschlager drehen. Unmöglich? Ein globaler Hit lässt sich nicht planen, sagen Sie? Vielleicht ja doch.

TV DIGITAL hat die 25 erfolgreichsten Filme aller Zeiten analysiert und Erstaunliches gefunden. Sieben Tipps für den Blockbuster-Erfolg:

1. Sparen Sie sich Megastars!

Was haben Will Smith, Brad Pitt, Tom Cruise und George Clooney gemeinsam? Erstens: Sie sind die wohl größten Kinostars der Welt. Zweitens: Keiner spielt in einem der 25 erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit. Also: Megastars lohnen sich meist nicht. Sie sind unverhältnismäßig teuer und für viele Zuschauer längst nicht mehr der Hauptgrund, ins Kino zu pilgern. Stars sorgen nicht für Blockbuster – Blockbuster sorgen für Stars. So wie "Titanic" Leonardo DiCaprio groß machte und die "Iron Man"- Reihe Robert Downey jr. Setzen Sie auf preiswerte Darsteller und optionieren Sie diese kostengünstig für mögliche Fortsetzungen.

2. Viel Geld ausgeben!

Klingt komisch, ist aber so. Geld ausgeben, um Geld zu machen: Das Motto gilt nirgendwo mehr als in Hollywood. Im Jahr 1995 kostete ein US-Film im Schnitt rund 30 Millionen Dollar, bereits 2005 war es rund das Doppelte. Die aktuell 25 erfolgreichsten Filme der Kinogeschichte kosteten im Schnitt sogar 174,4 Millionen Dollar! Es als Low-Budget-Produktion ganz nach oben zu schaffen, das ist praktisch unmöglich. Nur große Filme mit gigantischem Werbeaufwand werden global wahrgenommen. Großer Werbedruck ist zudem die beste Möglichkeit, Zuschauer direkt am Startwochenende ins Kino zu locken – bevor sich herumspricht, dass Ihr Werk womöglich ein echter Rohrkrepierer ist. Hohe Investitionen sind also unerlässlich – vor allem in jenen Genres, die Sie für Ihren Film ins Auge fassen wollten.

3. Setzen Sie auf Fantasy!

Vorbei die Zeiten, in denen sich nur Nerds und Computerfreaks für Fantasy und Science-Fiction interessierten. Heute sind diese Genres Allgemeingut. Kein Wunder: Nichts hat stärker von der Revolution der digitalen Tricktechnik Anfang der 1990er profitiert als Fantasy und Science-Fiction. Früher galten Stoffe wie "Der Herr der Ringe" (Platz 8) und "Avatar" (Platz 1) als unverfilmbar. Inzwischen wurden sie dank Computertricks realisiert. Der hohe Schauwert von Fantasy/Sci-Fi im Kino macht das Segment zudem weniger anfällig für Schäden durch Internet-Raubkopien. Von den Top 25 sind mehr als zwei Drittel Fantasy oder Sci-Fi. Aber vermeiden Sie drastische Gewaltszenen. Vergangenes Jahr waren 27 Prozent aller regelmäßigen Kinogänger in den USA unter 18 Jahre alt. Warum also mit einem FSK-18-Label die Umsätze schmälern?

Doch die vielleicht allerwichtigste Regel: Vergessen Sie die Actionszenen nicht! Egal in welchem Genre. Selbst ein Liebesdrama wie "Titanic" (Platz 2) kommt nicht ohne aus. Der letzte Film, der ohne eine einzige Actionsequenz zum erfolgreichsten Film seines Jahrgangs wurde, liegt 26 Jahre zurück: das Drama "Rain Man" aus dem Jahr 1988.

4. Denken Sie global!

Gut gegen Böse, eine tragische Liebe, ein Außenseiter wird zum Helden: Es gibt Storys, die versteht man auf der ganzen Welt. Universelle Geschichten steigern die Chancen auf einen globalen Hit. Bloß nicht zu lokal oder national denken! Amerika mag immer noch die Entertainment-Zentrale sein, das meiste Geld macht Hollywood aber inzwischen im Rest der Welt. Die Top 25 der erfolgreichsten Filme der Kinogeschichte spielten 65,4 Prozent ihres Umsatzes außerhalb der USA ein. Beim Superheldenspektakel "Iron Man 3" (Platz 6) waren es sogar noch mehr. Die Macher hatten speziell für den chinesischen Markt eine vier Minuten längere Fassung gedreht – mit chinesischen Darstellern an chinesischen Schauplätzen und Product Placement für chinesische Produkte. Möglicherweise ein Modell für die Zukunft. China ist nach den USA und vor Japan längst der größte Kinomarkt der Welt. Denken Sie bei Ihrem Filmprojekt zumindest mal über asiatische Co-Stars nach.

5. Drehen Sie mit Überlänge!

Neunzigminüter sind out. Ein richtiger Blockbuster nimmt sich Zeit. Fast alle der 25 Megahits sind extrem lang – im Schnitt 142 Minuten! Den Rekord hält "Der Herr der Ringe 3" mit nicht enden wollenden 201 Minuten, gefolgt von "Titanic" mit 194 Minuten. Ob die Story das XXL-Format tatsächlich bei jedem Blockbuster trägt, darf bezweifelt werden. Finanziell zumindest lohnt es sich. Ab einer Filmlänge von rund 120 Minuten muss der Kinogänger einen Überlängenzuschlag zahlen.

Weitere wichtige Geldquelle fürs Filmstudio: 3-D. Egal ob aufwendig in echtem 3-D gedreht oder später preiswert – und oft schlampig – nachbearbeitet: Hier wird der Kinogänger extra zur Kasse gebeten. Von den zehn erfolgreichsten Filmen aller Zeiten hatten sieben eine 3-D-Fassung. Die 2-D-Sensation "Titanic" wurde sogar noch 14 Jahre nach US-Start konvertiert und erneut als 3-D-Version ins Kino geschickt.

6. Meiden Sie Heldinnen!

Frauen haben es schwer in Hollywood. Nicht nur hinter der Kamera, sondern auch davor: In gerade mal 15 Prozent aller US-Filme ist die Hauptfigur weiblich. Bei den Top 25 sieht es noch düsterer aus. Nur drei Filme ("Die Eiskönigin", "Titanic", "Alice im Wunderland") stellen eine Heldin in den Fokus. Und das, obwohl gut die Hälfte aller Kinogänger Frauen sind. Sie scheinen eher bereit zu sein, sich auf männliche Hauptfiguren einzulassen, als andersherum. Hinzu kommt, dass in Hollywood immer noch viele wichtige Entscheidungspositionen mit Männern besetzt sind. Zuletzt waren zwar einige Filme mit weiblichen Protagonisten durchaus erfolgreich ("Gravity", "Die Tribute von Panem"). Dennoch gilt: Ganz oben regiert Testosteron.

7. Bleiben Sie beim Bewährten!

Immer dran denken: Sie wollen keine Preise für Originalität, Sie wollen die Blockbuster-Krone! Dazu gehört auch folgende Erkenntnis: Die Marke ist der Star. Adaptionen von Bestsellern ("Harry Potter"), Comics ("Avengers"), Spielzeugklassikern ("Transformers"), ja sogar Vergnügungspark-Attraktionen ("Fluch der Karibik") – Filmprojekte wie diese besitzen eine quasi eingebaute Popularität. Sie versprechen vom Start weg einen bestimmten Grundstamm an Zuschauern. Von den Top-25-Filmen fallen sagenhafte 88 Prozent in diese Kategorie. Aber achten Sie auf die Relevanz: Das Disney-Studio überschätzte 2013 beim Megaflop "Lone Ranger" die Zugkraft einer Cowboy-TV-Serie aus den 50ern, die außerhalb der USA unbekannt war. Der Gesamtverlust liegt bei rund 190 Millionen Dollar.

Die Alternative zum Lizenzgeschäft: Engagieren Sie James Cameron. Der kanadische Autor und Regisseur genießt Sonderstatus. Mit "Avatar" und "Titanic" schuf er die beiden erfolgreichsten Filme aller Zeiten – beide Male ohne entsprechende Vorlage. Aber auch Camerons Erfindungsreichtum hat offenbar seine Grenzen: Derzeit arbeitet er gleichzeitig – kein Scherz – an "Avatar 2, 3 und 4".

Die 5 erfolgreichsten Regisseure

1. Steven Spielberg

Mit "Der weiße Hai" erfand Steven Spielberg (67) 1975 das Blockbuster- Kino. Es folgten Megahits wie "Indiana Jones", "E.T." und "Jurassic Park" sowie Oscarsieger wie "Schindlers Liste" und "Der Soldat James Ryan".

2. James Cameron

Cameron setzte neue Maßstäbe mit Filmen wie "Terminator 1 und 2", "Aliens", "The Abyss" und dem Megahit "Titanic". Dann revolutionierte der Kanadier (59) die Filmtricktechnik mit dem Sci-Fi-Epos "Avatar".

3. Peter Jackson

Die Romantrilogie "Der Herr der Ringe" galt als unverfilmbar – bis Peter Jackson (52) kam. Detailgetreu erweckte der Neuseeländer Tolkiens Fantasiewelt Mittelerde zum Leben. Weitere Filmhits: "King Kong", "Der Hobbit".

4. Robert Zemeckis

"Forrest Gump", "Der Polarexpress", "Zurück in die Zukunft", "Roger Rabbit": Die Hit-Liste von Robert Zemeckis (63) ist lang. Markenzeichen: der Einsatz der jeweils neuesten Technik in unterschiedlichsten Genres.

5. Chris Columbus

Der wohl unbekannteste Name in diesen Top 5. Dabei ist Columbus (55) für die ersten beiden "Harry Potter"-Filme sowie "Kevin – Allein zu Haus" verantwortlich und war auch als Autor extrem erfolgreich ("Gremlins", "Goonies").

Artikel vom 20. Juni 2014

Autor: Michael Tokarski