"Fluch der Karibik 4": Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow ist längst Kult.
Fotos

"Fluch der Karibik 4": Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow ist längst Kult. / Fotos: © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Am Set mit Johnny Depp

"Fluch der Karibik 4"

Früher oder später musste es ja so kommen: Piratenkapitän Jack Sparrow wird aufgehängt. Allerdings ist kein Henker am Werk. Es sind zwei Mitarbeiter des Drehteams, die gerade an Johnny Depp (47) herumzerren. Sie heben ihn an eine Eisenstange, die aus einer Häuserwand ragt. Die Szene markiert das Ende einer turbulenten Verfolgungsjagd: Auf der Flucht vor englischen Soldaten springt Jack von Kutsche zu Kutsche – bei voller Fahrt. Plötzlich ist er verschwunden. Erst als die ratlosen Truppen abziehen, sehen wir Jack wieder: Mit einem beherzten Sprung hat er sich an eine Stange gerettet, an der ein Kneipenschild über der Straße hängt. Wie praktisch, nach all der Aufregung. Er hüpft hinunter aufs Pflaster und betritt lässig die Kaschemme. Höchste Zeit für einen Becher Rum!

Lesen Sie auch unser Interview mit Hauptdarsteller Johnny Depp.

Lesen Sie auch unsere Kinokritik zu "Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten".

Typisch Jack. Die Szene ist Teil des aufwendigen Drehs zu "Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten" (im Kino ab 19.5.2011), dem vierten Teil der "Fluch der Karibik"-Reihe. Er wartet mit einer Premiere auf: Erstmals verschlägt es den Piraten Jack Sparrow nach England. Von London aus macht er sich im Wettstreit mit dem Seeräuber Blackbeard (Ian Mc-Shane aus der TV-Serie "Deadwood") und in Begleitung der ebenso schönen wie mysteriösen Angelica (Penélope Cruz) auf die Suche nach dem Jungbrunnen – einer sagenumwobenen Quelle, die ewiges Leben verspricht.

Auch für die Macher um Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer ist der Film eine Rückkehr zur Quelle des Erfolgs. Die letzten beiden "Fluch der Karibik"-Abenteuer (2006, 2007) waren zwar kommerziell erfolgreich, zeigten aber unübersehbar Abnutzungserscheinungen: zu viele verwirrende Nebenhandlungen, zu lange Laufzeit (endlose 170 Minuten beim dritten Teil!). Fort war die Leichtigkeit des Auftaktfilms, mit dessen Überraschungserfolg 2003 alles begann.

"Fluch der Karibik" ohne Keira Knightley und Orlando Bloom

"Der erste Teil war einzigartig", sagt Johnny Depp dann auch im Interview mit TV DIGITAL. "Aber wegen der Trilogie mussten der zweite und dritte Part thematisch daran anknüpfen. Das verkomplizierte die Story. Wir wollen den Fans nun einen Film bieten, der frisch ist und mehr Spaß macht." Wie damals bei Teil eins also. So ist es sicher kein Zufall, dass Jacks eingangs beschriebene Hängepartie an seinen allerersten, mittlerweile legendären Auftritt im "Fluch der Karibik"-Debüt erinnert: Als während der Einfahrt in den Hafen sein Boot sinkt, klettert Sparrow auf die Spitze des Mastes. Das Schiff treibt weiter Richtung Steg. Kurz bevor es komplett untergeht, rettet sich Sparrow mit einem einzigen Schritt an Land – seelenruhig und trockenen Fußes.

Kaum zu glauben, dass Johnny Depp ursprünglich nicht die erste Wahl für die Rolle des exzentrischen Freibeuters war. Okay – die favorisierten Jim Carrey und Christopher Walken schienen damals tatsächlich die naheliegendere Besetzung zu sein. Depp hatte bis dahin große Blockbuster gemieden und sogar Rollen in späteren Hits wie "Speed" (1994) abgelehnt.

Doch dann bekam er die Rolle des Jack Sparrow, prägte sie mit seiner unnachahmlichen Darstellung als "rosaroter Korsar" und ist seitdem Garant für Blockbuster. "Ich habe so viele Filme gedreht, die ich meinen Kindern erst erlauben möchte, wenn sie 30 Jahre alt sind", sagt er. "Aber mit ‚Fluch der Karibik‘ können sie Anteil an meiner Arbeit nehmen." Seine Zusage zum neuesten Seeabenteuer gab er nicht allein deshalb. "Diesen Film drehe ich mehr für mich als für meine Kinder. Aus purem Egoismus, denn ich liebe Jack! Außerdem will ich denen Danke sagen, die auch für Teil zwei und drei im Kino waren."

Der neue Mann am Steuerrad bei den Dreharbeiten ist Rob Marshall. Der Oscar-nominierte Regisseur ("Chicago") übernahm die Kommandobrücke von Kollege Gore Verbinski. Wohl wissend, dass Sparrow die wahre Attraktion der Reihe ist, schneidert Marshall den neuen Film ganz auf Johnny Depp zu, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Er kann sich in zahlreichen Actionszenen austoben. So muss Sparrow etwa in einer Kneipe gegen einen Doppelgänger kämpfen, später ein Duell auf einem Schiff bestehen, das auf der Spitze eines Berges thront. Und auf der Suche nach dem Jungbrunnen werden Jack und Co. von einer brandgefährlichen Horde sexy Meerjungfrauen angegriffen.

Von Bord gegangen sind Keira Knightley und Orlando Bloom. Ihr Abgang verschlankt nicht nur die Handlung. Beide Stars hatten Verträge für drei Filme, bei einem vierten wäre mehr Gage fällig gewesen. Geld, das die Macher gern einsparen, denn die Krise der letzten Jahre macht auch vor der Piraten-Saga nicht halt. Zwar spielten die "Fluch der Karibik"-Filme weltweit 2,7 Milliarden Dollar ein, Teil drei gilt aber mit 300 Millionen Dollar als teuerster Film aller Zeiten.

Der vierte kostet 100 Millionen weniger. Mit ihm wird "Fluch der Karibik" auf der Liste der umsatzstärksten Kinoreihen ganz sicher "Herr der Ringe" und "Shrek" überholen. Nur "Harry Potter", "James Bond" und "Star Wars" liegen dann noch vor den Piratenabenteuern.

Zusätzliche Einnahmen – dank teurerer Kinotickets – verspricht die 3-D-Technik, in der die vierte Folge gedreht wird. Die Bilder sollen neue Standards setzen. Während der bisherige 3-D-Referenzfilm "Avatar" größtenteils im Studio entstand, verspricht Produzent Jerry Bruckheimer nun nicht weniger als "Hollywoods ersten großen 3-D-Film mit Außenaufnahmen".

Weitere Filme sind bereits geplant. Und wie jetzt in Teil vier sollen es abgeschlossene Abenteuer sein. Die Idee dahinter ist, Jack Sparrow als Helden einer langlebigen Kinoreihe wie James Bond zu etablieren. Das Vertrauen der Filmemacher in Publikumsliebling Johnny Depp ist eben derzeit grenzenlos. Daran ändert sicher auch die Tatsache nichts, dass der zwar an den Kinokassen die Nummer eins ist, nicht aber daheim. "Warum auch immer, meine Kinder stehen mehr auf Robert Downey jr.", verrät er. "Schlimm genug, dass wir in Hollywood konkurrieren. Aber zumindest zu Hause sollten meine Filme die Oberhand behalten, oder?" Falls Depp auch beim fünften Teil am Skript mitarbeitet, wird daraus wohl: Jack Sparrow gegen Iron Man.

Fotostrecke unten: die ersten Bilder aus "Fluch der Karibik 4"

Artikel vom 15. April 2011

Autor: Michael Tokarski/Anke Hofmann