Spectre

Am Set des neuen 007-Abenteuers "Spectre": TV DIGITAL erklärt, wie die spektakuläre Eröffnungssequenz mit 1500 Statisten in Mexiko-Stadt gedreht wird. - Foto © picture alliance / ZUMA Press

Am Set von "Spectre"

Neues 007-Abenteuer

Am Set des neuen 007-Abenteuers "Spectre": TV DIGITAL erklärt, wie die spektakuläre Eröffnungssequenz mit 1500 Statisten in Mexiko-Stadt gedreht wird.

Der Mann im blutverschmierten Anzug hetzt durch die tanzende Masse. Er stößt die bunt bemalten Menschen beiseite und dreht sich panisch um: Verdammt, wo ist dieser Bond? Gerade hat er den rettenden Hubschrauber mitten auf dem riesigen Platz erspäht, als aus einem Lautsprecher der Ruf "Stop!" ertönt. Der Mann bleibt entspannt stehen, auch die Straßenparty ist abrupt beendet.

Wir sind auf dem Zócalo, dem Hauptplatz im historischen Zentrum der 22-Millionen- Metropole Mexiko-Stadt. Seit 700 Jahren finden hier Hauptstadt-Feierlichkeiten statt, gleich nebenan befinden sich die Reste des Templo Mayor, den die alten Azteken für das Zentrum des Universums hielten. Heute steigt auf dem Gelände eine ganz besondere Party: Die Crew des 24. Bond- Abenteuers "Spectre" (ab 5.11. im Kino) dreht die Einstiegssequenz. "Das ist eine Riesensache", sagt 007-Darsteller Daniel Craig zu TV DIGITAL, "und wie immer bei Bond sehr wichtig." Denn die Eröffnung, noch vor der Titelsequenz mit dem 007-Song, soll das Publikum sofort durch furiose Action in Bann schlagen – wie zuletzt die Verfolgungsjagd durch Istanbul in "Skyfall" (2012), mit über 1,1 Milliarden Dollar Einnahmen der bisher erfolgreichste Bond.

Die Einstiegssequenz

Und so sieht die Sequenz aus: Auf der Parade zu Mexikos Tag der Toten lernt die sexy Mexikanerin Estrella (Stephanie Sigman) Bond kennen und lockt ihn auf ihr Zimmer im Gran Hotel am Zócalo. Doch statt mit ihr ins Bett zu hüpfen, springt der MI6-Agent aus dem Fenster und verfolgt zwei Fieslinge, die – vermutlich – einen Terroranschlag verabreden. Einen von ihnen erledigt Bond sofort, den anderen, ein Italiener namens Marco Sciarra (Alessandro Cremona), jagt er über die Hotelfassade und den Regierungspalast bis zu einem von Sciarra per Handy gerufenen Helikopter.

Eine gewaltige Explosion und mehrere Boxeinlagen später steigt der Hubschrauber von dem völlig überfüllten Platz auf, mit Bond und Sciarra an Bord. Am Steuerknüppel der Maschine sitzt Chuck Aaron, der – wie die Produktionsfirma stolz betont – weltweit einzige Heli-Stuntpilot mit der Lizenz, sogar Loopings zu fliegen – das verspricht einiges ...

1500 Statisten

Zum besonderen Anspruch an die Bond- Action kommt diesmal die Herausforderung von 1500 größtenteils kostümierten und geschminkten Statisten. Und natürlich der erhöhte Druck durch die kolportierten Budget- Überschreitungen (gemunkelt wird von 350 Millionen Dollar – das wäre der teuerste Film aller Zeiten) und immer neue Drehbuchänderungen wegen des Sony-Leaks 2014.

Doch Daniel Craig, beim Interview in eine coole dunkelblaue Bomberjacke gekleidet, bleibt guter Dinge. "Wir haben Sam Mendes als Regisseur wieder dabei, und so führen wir weiter, was wir mit ‚Skyfall‘ begonnen haben. Das Willkommen hier war außergewöhnlich, die Menschen sind begeistert und außerordentlich freundlich."

Glücklich sind auch die Statistinnen Montse und Carin, die TV DIGITAL trifft. "Wir sind seit drei Uhr heute Morgen hier", sagt Montse. Sie und ihre Freundin haben extra Urlaub genommen und sind seit acht Tagen beim Partydreh im Einsatz. Make-up- Chefin Naomi Donne, bereits bei "Skyfall" dabei, erklärt: "Von 1500 Statisten sind 1000 verkleidet. Ich habe 220 Mitarbeiter für Haare und Make-up, von vier bis acht Uhr morgens haben wir die Leute fertig gemacht." Die Kostümdesignerin Jany Temime, u. a. "Harry Potter"-erfahren, fährt fort: "Wir haben alle Kostüme in Mexiko hergestellt. 20 verrückte mexikanische Künstler haben für uns alle möglichen Formen von Skelettmasken entworfen – herrlich!" Einen Dreh am 2. November, dem echten Tag der Toten, hält sie für unmöglich: "Du kannst der ganzen Menge nicht 20-mal ‚Stop‘ sagen. Zudem sind ja alle irgendwann betrunken."

Der Tag der Toten

Nicht betrunken, aber erschöpft setzt sich eine erste Statistin in einem Hochzeitskleid – am "Tag der Toten" feiert man nach altmexikanischem Glauben für einen Tag das Wiedersehen mit den Toten, etwa dem Ehemann – auf den Boden. Kurze Zeit später wandert das ganze Statistenheer zu dem Hubschrauber für die nächste Szene. Produktionsdesigner Dennis Gassner (Oscar 1992 für "Bugsy" plus weitere vier Nominierungen) erklärt, wie es zur Idee mit dem Tag der Toten kam: "Sam Mendes sagte zu mir: ‚Finde etwas Heißes und etwas Kaltes für mich!‘ Kalt war es am Set in Österreich, heiß wird es hier und im Juni in Marokko." Und der 66-Jährige, mit Hut, Schmuddel-Sakko und geschlossenen Augen ganz auf Genie getrimmt, erklärt seine Idee mit der "Spectre"-Eröffnungssequenz: "Ich will etwas schaffen wie Beethovens Fünfte. Der Tag der Toten ist das Da-da-da-dah! Und der Film mit seinen kleinen Stückchen an Information ist dann das Da-da-da-dah-da-da-da-dah..." Da klingt der allmächtige 007-Produzent Michael G. Wilson, der Stiefsohn des verstorbenen Albert Broccoli (1909–96) und Halbbruder von Mitproduzentin Barbara Broccoli, in seinem Enthusiasmus fast schon vernünftig. "Ich denke, es wird die bislang größte Eröffnungssequenz eines Bond-Films überhaupt. Eigentlich kommt da nur die Rio-Szene aus ‚Moonraker‘ ran – aber das hier ist logistisch eine viel größere Operation." Irgendwie passend, dass jetzt der Hubschrauber vom Zócalo Richtung Templo Mayor startet. Zum aztekischen Zentrum des Universums – die Welt ist für einen James Bond eben längst nicht mehr genug ...

Artikel vom 30. April 2015

Autor: Oliver Noelle