"Avengers: Age of Ultron"

Wie Avengers: Age of Ultron den Kinothron erobern will – und wie die Konkurrenz schon den Gegenangriff plant. - Foto © picture alliance / obs / ProSieben MAXX

"Avengers: Age of Ultron"

Fortsetzung von "The Avenger"

Wie viel Erfolgsdruck verträgt ein einzelnerFilm? „Age of Ultron“ist nicht nur die Fortsetzung von „The Avengers“ (2012), dem dritterfolgreichsten Film aller Zeiten. Der Film soll gleichzeitig die Grundlage für neun (!) weitere, bereits angekündigte Marvel-Superheldenfilme bis 2019 bilden. Trotzdem gießt „Age of Ultron“-Star Robert Downey jr. gern noch etwas Öl ins Feuer.

Filmstart: 30. April 2015

„Unser neuer Film“, sagte er auf der Filmmesse Comic-Con 2014, „wird alle Fragen über das Dasein beantworten!“
Ein Scherz des Iron-Man-Darstellers, aber einer mit einem Fünkchen Wahrheit. Denn hinter all den Spektakeln und kostümierten Superhelden stecken in „Age of Ultron“ (ab 30.4.2015 im Kino) durchaus ernste Fragen: Was unterscheidet den Menschen tatsächlichvon der Maschine? Wann wird Technologie zur Gefahr?

Entscheidende Figur im Film ist Erfinder und Milliardär Tony Stark (Downey jr.) alias Superheld Iron Man. Nachdem im ersten Teil ein Angriff der Erde aus dem All knapp abgewehrt werden konnte, beginnt Stark umzudenken. Solche Probleme sollen nun bekämpft werden, bevor sie entstehen. Starks Lösung: das Ultron-Programm.

Künstliche Intelligenz

Diese künstliche Intelligenz wird beauftragt, als Frühwarnsystem die Menschen vor Gefahren zu schützen. Doch was gut beginnt, wird zum Desaster: Ultron, der zum Teil auf der exzentrischen Persönlichkeit Starks basiert, entwickelt einen Gotteskomplex und gerät außer Kontrolle. „Es ist schwierig, Ultron einen Bösewicht zu nennen“, sagt Robert Downey jr. „Er ist furchterregend, aber seine Argumentation ist simpel: ‚Ich verstehe langsam, was auf diesem Planeten falsch läuft: Das Problem seid ihr!‘“

Das Ende der Menschheit

Es droht das Ende der Menschheit. Neben Iron Man nimmt der Rest der Superheldengruppe Avengers – Thor, Hulk, Captain America, Hawkeye und Black Widow – den Kampf gegen Ultron auf. Mit dabei: der neue Superheld Vision, ein ebenfalls von Stark geschaffener Android, der aber zu den Menschen hält. Doch immer häufiger zeigen sich Brüche im Zusammenhalt der Avengers. So liefern sich etwa Iron Man und Hulk einen spektakulären Kampf auf offener Straße. Wurde in Teil eins vor allem New York demoliert, geht „Age of Ultron“ auf Expansionskurs.

„Wir wollen diesmal eine internationale Sicht auf unsere Helden haben“, sagt Autor und Regisseur Joss Whedon. „Es ist ein sehr globaler Film.“ Gedreht wurde außer in England in Südkorea, Südafrika, Bangladesch und Norditalien. Das dortige Aostatal steht im Film für die fiktive osteuropäische Stadt Sokovia. Hier treffen die Avengers auf zwei Helden mit neuen besonderen Begabungen. Sie wurden einst von ihren Eltern ausgesetzt: der blitzschnelle Quicksilver (AaronTaylor-Johnson) und seine Schwester Scarlet Witch (Elizabeth Olsen), die Telekinese und Hypnose beherrscht.

Quicksilvers Highspeed-Tempo wird mit aufwendigen Computertricks umgesetzt. Insgesamt soll es in „Age of Ultron“ 3000 Einstellungen mit digitalen Effekten geben, mehr als bei jedem anderen Marvel-Film bisher. Auch das Budget liegt mit 250 Millionen Dollar noch mal 30 Millionen höher als bei Teil eins. Einiges von dem Geld wird beim kurzfristig für Januar 2015 angesetzten Nachdreh ausgegeben. Nach eigener Aussage will Regisseur Joss Whedon dem Film so noch eine Extraportion Action verpassen.

Das Ziel des gewaltigen Aufwands

Das Ziel ist klar: mindestens so viel einzuspielen wie bei Teil eins (1,5 Milliarden Dollar weltweit), besser aber noch mehr. Der erfolgreichste Film der Geschichte, „Avatar“, scheint mit seinen 2,8 Milliarden aktuell uneinholbar. Aber Platz zwei („Titanic“, 2,2 Milliarden) ist in Reichweite. „Age of Ultron“ könnte dabei von den globalen Dreharbeiten profitieren, der Kinoerfolg außerhalb der USA wird für das Gesamtergebnis immer wichtiger. Dafür denkt Marvel sogar über das ultimative Opfer nach: Gerüchten zufolge könnte einer der Avengers in „Age of Ultron“ tatsächlich sein Leben lassen. Heißester Todeskandidat ist Hawkeye(Jeremy Renner).

Marvel-Mastermind und -Produzent Kevin Feige bestätigt, dass die Avengers am Ende des Films eine veränderte Besetzung haben werden. Mögliches Szenario: Iron Man wird die Gruppe verlassen. Weitere separate Filme mit ihm sind nämlich nicht geplant. „Beim Lesen der letzten Drehbuchseite bekam ich Gänsehaut“, sagt Robert Downey jr., ausnahmsweise mal ohne Ironie.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die aktuelle Erfolgsserie von Marvel ist fast schon unheimlich. Alle bisherigen zehn Filme des „Marvel Cinematic Universe“ seit 2008 waren Hits; zuletzt wurden die zuvor so gut wie unbekannten „Guardians of the Galaxy“ zum weltweiten Überraschungserfolg. Kein Wunder, dass Marvels Rivalen aufhorchen. Die Studios Warner, Sony und Fox planen immer mehr eigene Superheldenfilme.

Bis 2020 sind 32 Filme angekündigt – egal wie beliebt Superhelden im Moment sind, kostspielige Flops werden dabei unvermeidbar sein.
Auffällig: Vor allem Heldengruppen à la „TheAvengers“ werden in Stellung gebracht. Warner plant „Justice League“ mit Superman, Batman und Co. Dazu kommt „Suicide Squad“ mit Megastar Will Smith und Tom Hardy. Marvel-Konkurrent Fox setzt seine Hoffnung neben „X-Men“ auf „Fantastic Four“. Eine neue Verfilmung mit neuer Besetzung ist für 2015 angekündigt.

Marvel begrüßt die Konkurrenten auf seine ganz eigene Art. Noch bringt der zum Konzern gehörende gleichnamige Verlag die „Fantastic Four“-Comics heraus. Jetzt kam die Ankündigung: In den nächsten Monaten wird die bereits seit 1961 laufende Comicreihe eingestellt. Bloß keine Werbung zum Kinostart des Konkurrenzfilms von Fox– wenn es um die Blockbuster-Krone geht, kämpfen selbst sonst so ehrenhafte Superhelden mit allen Mitteln!

Artikel vom 23. Januar 2015

Autor: M. Tokarski