Schauspieler Daniel Radcliffe hat Harry Potter zum letzten Mal verkörpert.

Schauspieler Daniel Radcliffe hat den Zauberschüler Harry Potter zum letzten Mal verkörpert. / Foto: © picture alliance / abaca / Illustration von Schloss Hogwarts: © Ralf Powierski für TV DIGITAL

Daniel Radcliffe: Mein Leben mit Harry Potter

Abschied von Hogwarts

Die letzten zehn Jahre – also fast die Hälfte seines Lebens – hat er mit Harry Potter verbracht: Daniel Radcliffe (21) sitzt in einem Nobelhotel der englischen Hauptstadt London und plaudert über die Hauptrolle in der erfolgreichsten Kinoreihe aller Zeiten. Fast 6,4 Milliarden Dollar spielten die Potter-Hits ein – mehr als "James Bond", "Star Wars" oder "Fluch der Karibik" –, und der krönende Abschluss "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2" (ab 14. Juli im Kino) kommt erst noch!

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Das berühmte Studio Leavesden, in dem 90 Prozent aller Aufnahmen entstanden, ist nur etwa 30 Autominuten entfernt, doch Daniel Radcliffe ist seiner Figur noch näher. Exklusiv mit TV DIGITAL spricht der gebürtige Londoner über das Ende der Dreharbeiten, seinen Lieblings-Potter – und seine schüchternen Anfänge im Jahr 2000.

"Ich erinnere mich gut an meinen ersten Besuch in Leavesden – so, als wäre es gestern gewesen", sagt Daniel Radcliffe. "Ich sehe das Casting vor mir: Wie ich in die Umkleidekabine ging, wie mich meine Mutter beruhigte – und wie es roch. Den Leavesden-Geruch werde ich nie vergessen. Jedes Mal wenn ich herkam, war er da."

Daniel Radcliffes bester Freund ist sein Ankleider

Ähnlich wie auf Hogwarts war es auch im Filmstudio oft sehr düster: "Ich liebe Leavesden, weil es meine Heimat, meine Familie war. Einen Nachteil hatte es hier allerdings mitten im Winter. Es gibt nur sehr wenige Fenster, und so kam ich im Dunkeln zur Arbeit, sah den ganzen Tag kein Tageslicht und ging wieder im Dunkeln. Oh, mein Gott, ich habe in ewiger Finsternis gelebt!" Aber Spaß hat es ihm trotz einer Fünftagewoche gemacht – pro Film wurde etwa zehn Monate im Jahr gedreht, Teil sieben brauchte sogar zwölf Monate.

"Ich bin in diesem etwas kaputten Studio aufgewachsen. Wir haben hier Ritterturniere im Korridor gespielt", erinnert sich der 21-Jährige gern. "Rupert Grint und ich haben auch mit zwei Besen herumgespielt. Wir benutzten die Deckel von Wasserkühlern als Schild und kämpften gegeneinander. Irgendwann habe ich Rupert in den Magen getroffen. Und im Filmstudio in Shepperton bin ich mal aufs Dach geklettert. Unten stand einer der Produzenten und entdeckte plötzlich seinen Hauptdarsteller auf dem Dach. Ein Filmset ist der Traum für Zwölfjährige!"

Freunde fand Daniel Radcliffe ebenfalls: "Will, mein Ankleider der letzten zehn Jahre, ist mein bester Freund geworden. Ich schaue auf zu ihm, er ist absolut wunderbar." Zu Emma Watson und Rupert Grint, mit denen Daniel Radcliffe das Trio der Zauberschüler Harry, Ron und Hermine bildet, entwickelte sich ein tolles Verhältnis: "Wir sind sehr gute Freunde. Aber ich habe natürlich auch Freunde außerhalb des Filmteams. Deshalb würde ich nicht sagen, dass die beiden meine allerbesten Freunde sind. Wir hatten auch unsere Reibereien", gesteht Radcliffe. "Das passiert in zehn Jahren schon mal. Zum Beispiel, wenn ich einfach in Ruperts Zimmer hineinmarschiert bin und seine Tischtennisplatte benutzt habe."

Uneinigkeiten gibt es – unter Fans und Mitarbeitern der Reihe – auch, wenn es darum geht, die einzelnen Filme zu bewerten. "Mein Lieblingsbuch und auch -film ist Nummer fünf: ‚Harry Potter und der Orden des Phönix‘ fand ich am bewegendsten. Und ich mag die Figur von Sirius Black und den Schauspieler Gary Oldman. Die Szenen, die wir gemeinsam hatten, habe ich sehr geschätzt, weil ich viel von ihm gelernt habe. Gary hat keine Angst. Er hat mir beigebracht, weniger selbstkritisch zu spielen. Es war schwer für mich, als Sirius sterben musste."

Das Ende von Harry Potter ist eine Befreiung

Einen Lieblingsregisseur hatte Daniel Radcliffe, der übrigens ein Fan des Fußballklubs FC Fulham ist, nie, auch wenn der erste besonders wichtig war: "Chris Columbus konnte uns zum Lachen bringen, er war so komisch und hat es geschafft, dass ich mich wohlfühlte. Ich habe vor Kurzem noch einmal das Video meiner Sprechprobe aus dem Jahr 2000 gesehen und mich erinnert, was ihn so brillant macht: Er kann toll mit Kindern umgehen und sie zu großartigen Leistungen anspornen."

Ebenfalls hilfreich war, dass sich die Buchautorin Joanne K. Rowling wenig einmischte. "Sie war in all den Jahren nur zweimal am Set", sagt Radcliffe. "Wir haben die jeweils neu erschienenen Bücher nie vorab lesen können. Gelegentlich hat Joanne K. Rowling mit mir über Harry gesprochen. Als wir Teil fünf drehten, achtete sie sehr darauf, dass die Bedeutung von Dumbledores Armee hervorgehoben wird. Sie sagte: ‚In der Zukunft muss Harry eine große Zahl von Leuten führen.‘ Das war ein Hinweis auf die große Schlacht um Hogwarts. Aber wenn ich nicht allein darauf gekommen wäre, hätte ich etwas falsch gemacht …"

Fehler will Daniel Radcliffe auch im Hinblick auf seine zukünftige Karriere keine machen. "Das Ende der Dreharbeiten war schlimm und traurig. Wir können jetzt nicht mehr sagen: ‚Tut mir leid, aber ich muss noch einen Harry Potter drehen.‘ Andererseits ist es auch eine Befreiung." Einen Weg zurück gibt es für ihn definitiv nicht. "Gestern sagte ein Fünfjähriger zu mir: ‚Ich würde gern Harry spielen.‘ Ich antwortete: ‚Komm in zehn Jahren wieder – dann gibt es das Sequel.‘ Vielleicht machen sie auch Prequels. Ich werde nicht dabei sein. Ich habe meinen Beitrag geleistet, oder?"

Bilderstrecke unten: Fotos aus dem neuen Kinofilm "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2" (Kinostart: 14. Juli)

Artikel vom 01. Juli 2011

Autor: Oliver Noelle