Das Dschungelbuch

Nach fast 50 Jahren startet mit "The Jungle Book" ein Remake mit bahnbrechenden visuellen Effekten.- Foto © Walt Disney Company

Disneys Klassiker im neuen Look

Wiedersehen mit Mogli, Balu & Co.

"Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit.“ Millionen von Kinozuschauern haben sofort nicht nur eine Melodie, sondern auch die passenden Filmszenen dazu im Kopf, wenn sie diese Zeile lesen. "Das Dschungelbuch", der Disney-Klassiker aus dem Jahr 1967, zählt mit sagenhaften 27 Millionen Besuchern nach wie vor zu den erfolgreichsten Filmen in Deutschland. Fast genau ein halbes Jahrhundert später kommt jetzt eine spektakuläre neue Version des Zeichentrickmeisterwerks in die Kinos – in unglaublich realistischer Optik dank neuester Technologien.

Mit Jon Favreau ("Iron Man“) wurde dafür ein Regisseur verpflichtet, der selbst seit seiner Kindheit glühender Fan des Disney-Klassikers ist. "'Das Dschungelbuch‘ war der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. Und ich weiß noch, dass sich der junge Mogli für mich unglaublich real anfühlte. Die Beziehung zwischen ihm und Balu hat mich an mich selbst und meinen Großvater erinnert. Und sogar in dem allerersten Traum, an den ich mich erinnern kann, kam Mogli vor."

Mogli, Balu der Bär und der furchteinflößende Tiger Shir Khan

Der britische Autor Rudyard Kipling schuf in seinen Geschichten Figuren, die die kreativen Köpfe in den Walt-Disney-Studios zu einem ihrer schönsten Filme inspirierten. Doch wie dreht man eine neue Version von einem Film, den man selbst ins Herz geschlossen hat? Und ist es nicht eine enorme Last, wenn man weiß, wie viele Leute das Original kennen und lieben? Favreau: "Ich fühle auf jeden Fall eine große Verantwortung. Aber da ich mich selbst zur Gruppe der Fans zähle, möchte ich natürlich genau wie sie, dass der Stoff mit Respekt und Zuneigung behandelt wird. So war es uns zum Beispiel wichtig, dass es auch einige Songs aus dem Original in unsere Neufassung schaffen. Aber es hätte nicht zum Grundton unseres Films gepasst, wenn dauernd jemand angefangen hätte zu singen."

Erwachsener, bedrohlicher

Tatsächlich ist Favreaus Version deutlich bedrohlicher als die Zeichentrickvariante geraten und – trotz einiger witziger Ideen – ganz sicher nicht für kleine Kinder zu empfehlen. Der Regisseur dazu: "Schon weil der Tiger so echt aussieht ist er viel angsteinflößender als im alten Film. Wir haben die besten Künstler engagiert, die beste Technik verwendet, die es heute am Markt gibt, und alles haarklein geplant. Es gibt erstaunliche Fortschritte bei der Animation des Wassers und des Fells. Teilweise Kleinigkeiten, die man so detailliert gar nicht wahrnimmt, die aber alles unglaublich echt wirken lassen."

Typisch Hollywood

2017 kommt gleich noch eine zweite Neufassung in die Kinos – unter der Leitung von Andy Serkis ("Planet der Affen: Revolution"), der mit einem vorwiegend im Motion-Capture-Verfahren gedrehten Projekt sein Regiedebüt gibt. Die Konkurrenz lässt Jon Favreau ziemlich kalt: "Ich bin neugierig auf Andys Film, doch er wird ganz anders sein. Wir nutzen zwar ebenfalls das Motion-Capture-Verfahren, aber eben nur dann, wenn es Sinn macht. Bei der Animation eines Schimpansen hilft es sehr, aber bei der einer Schlange nicht." Und in der Tat ist es eine etwas seltsame Vorstellung, dass Cate Blanchett, die für Serkis’ Projekt als Python Kaa ververpflichtet wurde, im hautengen Motion-Capture- Anzug über den Boden robbt. Einst waren die liebevoll gezeichneten Figuren mit für den großen Erfolg des Disney-Klassikers verantwortlich.

In Favreaus Neufassung gibt es ein Wiedersehen mit den bekannten Tiercharakteren – nur sehen diese diesmal eben sehr echt aus. Mit kleinen Abweichungen von der Realität, wie der Regisseur verrät: "Wir wollten, dass Mogli möglichst klein und verletzlich wirkt. Also sind die Elefanten, Tiger und Bäume größer, als sie es in natura wären. Und nachdem wir schon dabei waren, haben wir auch mit den Farben gespielt: Die Blau-, Rot- und Lilatöne, die es in unserem indischen Dschungel gibt, würde man in der Natur so natürlich nicht vorfinden. Am Computer ist das aber alles möglich – und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, diese fantastische Welt zu erschaffen."

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Artikel vom 09. April 2016

Autor: S. Runciman