Patrick Wilson und Vera Farmiga im Horrorfilm "Conjuring - Die Heimsuchung"
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Patrick Wilson und Vera Farmiga im Horrorfilm "Conjuring - Die Heimsuchung". - Foto: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc.

Ed und Lorraine Warrens gruseligster Fall

Horrorfilm "Conjuring - Die Heimsuchung"

Der Horrorfilm "Conjuring – Die Heimsuchung" erzählt von dem gruseligsten Fall der paranormalen Ermittler Ed und Lorraine Warren. Was geschah damals wirklich? TV DIGITAL hat Lorraine in den USA besucht.

Monroe, Connecticut, 70 Meilen nördlich von New York. Eine gottverlassene Kleinstadt an der Interstate 95. Hier lebt seit über 50 Jahren die Geisterjägerin Lorraine Warren, Gründerin der "Neuenglischen Gesellschaft für die Erforschung des Übersinnlichen". Mit ihrem verstorbenen Mann Ed Warren hat die strenggläubige Katholikin nach eigener Aussage jahrzehntelang Menschen geholfen, die von unerklärlichen Phänomenen heimgesucht wurden.

"50 Prozent der Menschen kommunizieren mit Geistern", sagt Lorraine Warren beim Gespräch mit TV DIGITAL in ihrem Haus – und sie hilft, wenn es dabei zu Problemen kommt.


Geisterjägerin Lorraine Warren mit Schauspielerin Vera Farmiga, die Lorraine in den "Conjuring"-Filmen spielt (bei der Premiere von "The Conjuring 2" in Los Angeles am 7. Juni 2016). - Foto: © Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Horrorfilm "Conjuring – Die Heimsuchung", 2013 erschienen, erzählt ihren dramatischsten Fall. Im Juni 2016 ist Teil 2 im Kino gestartet.

Realität und Film: Einzug ins Gespensterhaus

Es geschah in Harrisville, Rhode Island, gut 120 Meilen nordöstlich von Monroe. Das Ehepaar Roger und Carolyn Perron kaufte dort 1970 für sich und seine fünf Töchter Andrea, Nancy, Christine, Cynthia und April ein 1736 erbautes Farmhaus mit großer Scheune. Fast zehn Jahre lang lebten die Perrons dort, bis sie sich – von mehreren Geistern terrorisiert und zu Tode erschrocken – entschlossen, wieder auszuziehen.

Und so sah das 2013 im Kino in "The Conjuring aus":

In insgesamt drei Büchern beschreibt die älteste Tochter Andrea Dinge, die sich damals angeblich ereigneten, aus der Sicht aller sieben Familienmitglieder. "Ich hatte gleich beim Einzug Kontakt mit einem Geist", sagt die heute 54-Jährige, die damals zwölf Jahre alt war. In den folgenden Wochen sei es dann zu immer mehr merkwürdigen Vorfällen gekommen: Türen schlugen auf und zu, mal war es plötzlich unerklärlich heiß in einigen Zimmern, dann wieder kalt. Fliegenschwärme plagten die Bewohner ebenso wie der Gestank von Fäkalien. Im Haus habe es nur so von Geistern gewimmelt.

Geisterjäger Ed und Lorraine Warren

Nach drei Jahren baten sie die prominenten Geisterjäger Lorraine und Ed Warren um Hilfe. Beide machten angeblich schon als Kinder die Bekanntschaft mit dem Übersinnlichen: "Ed wuchs in einem Spukhaus auf, ich war in einer katholischen Mädchenschule", erzählt Lorraine Warren. "Mit fünf Jahren begann ich, Lichter zu sehen. Ich dachte: 'Wow!' Dass die anderen das Licht nicht sahen, verwunderte mich."

Geister und Katholizismus – für die 86-Jährige, die noch heute von Dämonen geplagte Menschen am Telefon berät, kein Widerspruch. "Indirekt beweist die Existenz von Geistern doch die Existenz Gottes! Ich habe genug Glauben, um ihnen zu befehlen, mir nicht zu folgen – in Gottes Namen."

Im Keller ihres Hauses führt sie ein Okkultmuseum, in dem etwa 500 Objekte ausgestellt sind. Zum Beispiel die Kinderpuppe Annabelle, durch die zwei Krankenschwestern mit einem Dämon in Berührung gekommen sein sollen.

Lorraine Warren zeigt ihr Haus und erzählt von ihrem außergewöhnlichen Beruf:

In ihrem gut geheizten Wohnzimmer legt Warren eine Videokassette ein und bittet, vor dem riesigen, uralten Röhrenfernseher Platz zu nehmen. Der etwa achtminütige, schummrige Film soll einen 42-jährigen Mann namens Maurice zeigen, der bei der Teufelsaustreibung Blut weint, rückwärts Latein spricht und von unsichtbarer Hand ein Kreuz über sein Herz eingeritzt bekommt. Doch wegen der schlechten Bildqualität bleibt es der Fantasie des Betrachters überlassen, ob er tatsächlich mysteriöse Dinge sieht.

Sind Geistererscheinungen nur Wahrnehmungsphänomene?

Bernd Harder, Pressesprecher der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" ist von solchen Filmen und Lorraine Warrens Wirken wenig beeindruckt. "Unserer Erfahrung nach sind Geistererscheinungen zumeist Wahrnehmungsphänomene", sagt er. Häufig seien sie nichts als eine Reaktion auf Umwelteinflüsse: "In alten Häusern gibt es oft Temperaturschwankungen. Oder Infraschall unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, der aber physiologische Reaktionen hervorruft. Erst in der Interpretation wird dann ein Geist daraus."

Psychokinese ist Trickserei

Auch die oft gehörte Erklärung, es handele sich nicht um Geister, sondern um Psychokinese – seelische Kräfte, die Materie beeinflussen –, lässt der Wissenschaftsjournalist nicht gelten. "So etwas wie Psi-Kräfte gibt es nicht, das ist nichts als Trickserei. Und die ist gar nicht kompliziert, vor allem, wenn sie auf ein gläubiges Umfeld trifft. Da werden Teller geworfen, wenn keiner hinsieht, oder Vasen mit Fäden zu Fall gebracht – so simpel ist das."

Harders Erfahrung nach haben Geisterphänomene meist ganz andere Ursprünge. "Ich würde gar nicht so weit gehen und von Fälschung und Betrug reden. Oft stecken dahinter Psychodramen um Jugendliche in problematischen Familienverhältnissen."

Er erzählt von einer Pariser Familie, in deren Bauernhaus es kurz nach dem Umzug aufs Land zu spuken begann: "Die Tochter wäre gern in der Stadt geblieben." Dies könnte ein Ansatz sein, die Perron-Geschichte zu verstehen. Auch der Umzug der Familie nach Monroe geschah nicht ganz freiwillig, Mutter Carolyn hatte darauf gedrängt, nachdem Tochter Andrea einen Jungen verprügelt hatte.

Gedankenspiel Geistergeschichte

Über die Identität des Geistes, der Carolyn Perron und ihre Familie verfolgte, sind sich Lorraine Warren und die Perrons uneins. "Einige von uns denken, es war der Geist der früheren Besitzerin Mrs. Arnold, die sich im 18. Jahrhundert in der Scheune erhängte", sagt Andrea Perron. "Mrs. Warren sagte, es sei eine gewisse Bathsheba Sherman, die auch einst in dem Haus lebte."

Geisterpuppe Annabelle
Im Kinofilm "Conjuring" hat die Puppe Annabelle Macht über ihre Besitzer. - Foto: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren. Interessant ist die Frage, warum sich Geistergeschichten auch in unserer aufgeklärten Zeit so hartnäckig halten. "Die normale Welt ist heute entzaubert, das meiste wissenschaftlich erklärbar", sagt Harder. "Da ist es schön, wenn man mit Dingen konfrontiert wird, bei denen man denken kann: Vielleicht gibt es doch noch das eine oder andere, was sich nicht rational erklären lässt – eine Art Gedankenspiel, das man mit sich selbst spielt."

Das zur Buchautorin aufgestiegene einstige Dämonenopfer Andrea Perron sieht die Dinge etwas anders: "Ich bin dankbar für das, was ich erlebt habe. Dadurch begriff ich sehr früh, dass es etwas gibt jenseits der sterblichen Existenz‚ dass wir mehr sind als nur 'Asche zu Asche, Staub zu Staub'. Ich habe gelernt, keine Angst vor dem Tod zu haben."

"The Conjuring" und "The Conjuring 2": Lorraine und Ed Warrens Abenteuer im Kino

In der Verfilmung des oben beschriebenen Falles mit dem Titel "The Conjuring − Die Heimsuchung" (2013) spielt Vera Farmiga ("Departed") Lorraine Warren und Patrick Wilson ("Umständlich verliebt") Ed Warren. Natürlich basiert der Horrorstreifen nur auf den "wahren" Begebenheiten. Das Drehbuch geht um der Spannung willen noch ein oder drei Schritte weiter.

Der Film − inszeniert von Horrosspezialist James Wan ("Saw") − war ein so großer Erfolg, dass bald klar war, dass es nicht bei einem Kinoauftritt des Ehepaars Warren bleiben würde. Währen der 2014 gestartete Film "Annabelle" sich in Form eines Prequels mit der mörderischen Wirkung der Puppe auseinandersetzt, die heute noch in Lorraine Warrens Besitz ist, zeigt "The Conjuring 2" (2016) einen weiteren Fall.

In "The Conjuring 2" reisen Ed und Lorraine Warren nach London, um sich mit dem Poltergeist im Haus der Familie Hodgson zu beschäftigen. Auch die Story dieses Films basiert wieder auf wahren Ereignissen. Neben Farmiga und Wilson, die erneut ihre Hauptrollen unter der Regie von James Wan übernahmen, ist auch Franka Potente mit von der Horrorpartie. Die deutsche Darstellerin spielt die deutsch-britische Parapsychologogin Anita Gregory, die sich ebenfalls mit dem Poltergeist beschäftigt.

Artikel vom 23. Juli 2013

Autor: Oliver Noelle