Planet der Affen: Revolution

Affenkrieger in Abwehrhaltung: Wehe dem, der ihrem Revier zu nahe kommt. - Foto: © 20TH CENTURY FOX

Exklusives Interview mit Andy Serkis

"Planet der Affen: Revolution"

Exklusiv: TV DIGITAL sah erste Szenen des Sommer-Kinohits "Planet der Affen: Revolution" und sprach mit Caesar-Darsteller Andy Serkis.

Zehn grau gekleidete Männer klatschen sich ab, krabbeln auf allen vieren, trommeln sich vor die Brust und brüllen laut durch den Wald. Die Kollegen sind eingeschüchtert: "Scheiße, schon wieder die Affen!" Am Filmset von "Planet der Affen: Revolution" (ab 7. August im Kino) in der Nähe von Vancouver geht es hoch her. Andy Serkis und seine Jungs aus dem "Affencamp" machen sich einen Spaß daraus, die Darsteller der Menschen zu beeindrucken. "Vor jeder einzelnen Aufnahme haben wir uns gegenseitig ein bisschen aufgeschaukelt, damit jeder in seinen Charakter hineinkommt", sagt der Londoner Schauspieler Andy Serkis im exklusiven Interview mit TV DIGITAL. "Gerade vor Konfrontationen mit den Menschen haben wir sie wirklich erschreckt. Das war toll!"

Die Performance-Capture-Technik

"Planet der Affen: Revolution" setzt den Kinohit "Planet der Affen: PRevolution" (2011) fort. Der wiederum erzählte die Vorgeschichte der legendären fünfteiligen "Planet der Affen"-Filmreihe (1968–1973). "PRevolution" hatte erstmals eine virtuelle Figur in der Hautrolle: Andy Serkis (Gollum in "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit") spielte den Schimpansen Caesar mithilfe der Performance-Capture-Technik. Dabei wurden in einem speziellen Studio Bewegungen über unzählige kleine Punkte an Körper und Gesicht mit Kameras, die im Kreis um Serkis postiert waren, erfasst und in ein 3-D-Computerprogramm umgesetzt. Am Ende sorgte Serkis' Schauspiel für Einnahmen von 480 Millionen Dollar.

Vor dem Start des Sequels sah TV DIGITAL vorab fünf Szenen und ließ sich erklären, wie sich die Technik seitdem weiterentwickelt hat.

Die Story

Zehn Jahre, nachdem das Virus ALZ-113 begann, die Menschen zu dezimieren, und lange vor den Ereignissen des Originals von 1968, lebt Caesar mit 2000 Affen in den Muir Woods bei San Francisco. "Er ist jetzt kein Revoluzzer mehr", berichtet Serkis, "sondern Staatsmann und Vater. Er hat eine demokratische Gesellschaft erschaffen." Die ersten 20 Minuten des Films erzählen von den Affen, dann kommen die Menschen ins Spiel. Deren Situation ist dramatisch: 90 Prozent der Weltbevölkerung sind ausgelöscht, die Städte verwahrlosen. Malcolm (Jason Clarke) und seine Familie durchstreifen die Wälder bei San Francisco und treffen zufällig auf die anderen Primaten.

Performance-Capture-Aufnahmen

Performance-Capture-Aufnahmen werden in drei Schritten gedreht. Zunächst wird eine Szene mit Jason Clarke und Andy Serkis im grauen Anzug aufgenommen. Dann agiert Jason Clarke allein und spricht mit einem kleinen Tennisball, der ihm anzeigt, wo später das Gesicht des Affen zu sehen sein wird. Am Ende wird dieselbe Szene mit einer computergesteuerten Kamera ganz ohne Schauspieler gedreht. "Die erste Aufnahme bildet die Grundlage", erklärt Serkis. "Die überlagern wir mit den anderen. Unser Ziel war der realistischste Performance-Capture-Film seit Erfindung dieser Technik."

Bislang gab es erst zwei Filme, die auch die Mimik eines Schauspielers umsetzten: "King Kong" (2005) und "Avatar" (2009). "Arbeit am Gesichtsausdruck hat sich über Jahre entwickelt", sagt Serkis. "Dafür braucht es nicht nur Technologie, sondern die richtigen Leute. Die Techniker kennen mein Gesicht, sie haben jede Pore jahrelang studiert. Und auch die Emotionen, die ich ausdrücken will."

Problematisch war die Sprache der Affen. Im Film haben sie in den letzten zehn Jahren gelernt, Zeichen zu benutzen. "Das Komplizierte ist, dass Caesar anfängt zu sprechen. Um das glaubhaft rüberzubringen, muss man den richtigen Weg finden." In einer der emotionalsten Dialogszenen brüllt Caesar die Menschen an: "Do not come back!", denn er will verhindern, dass es zur Konfrontation kommt.

Andy Serkis ist aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit so etwas wie der "Sprecher" der Performance-Capture-Darsteller. "Als wir vor 15 Jahren mit 'Der Herr der Ringe' begannen, gab es keinen Modus Operandi. Peter Jackson wollte, dass ich nicht nur Gollums Stimme spreche, sondern gleichwertig neben den Schauspielern agiere." Zunächst wurden nur seine Körperbewegungen aufgenommen. "Fünf Jahre später, bei ‚King Kong‘, kamen erstmals Gesichtsausdrücke dazu. Ich hatte 132 Punkte um die Nase", erinnert sich Serkis.

Performance-Capture am Liveset

Danach, bei James Camerons "Avatar", wurden Performance- Capture-Aufnahmen erstmals nicht mehr nachgedreht, sondern live im Studio gefilmt – zusammen mit den Darstellern der menschlichen Charaktere und mithilfe von an den Köpfen befestigten Kameras. "Planet der Affen: PRevolution" ging dann als erster Film mit Performance-Capture an den Liveset, wenn auch vorrangig im Studio. Und jetzt "kommt der nächste fantastische Schritt", wie Andy Serkis sagt: "Wir sind zu 95 Prozent am Liveset – und damit meine ich: mit riesigen 3-D-Kameras im Wald. Mann, was haben wir gefroren!"

Im Film drohen sowohl den Menschen wie auch den Affen viele Gefahren. Der Anführer der in San Francisco lebenden Menschen, Dreyfus (Gary Oldman), will hart gegen die Affen vorgehen. Und Affe Koba (Toby Kebbell), der im Film vor drei Jahren von Menschen gefoltert wurde, fordert Rache. Die einzige Szene des Films, die im Studio gedreht wurde, ist der Showdown zwischen Caesar und Koba.

Der "Method Actor" Serkis hat für Rollen als Obdachloser gelebt oder als Broker gearbeitet (man wollte ihn dort sogar behalten!). Nun weiß er auch genau, wie Schimpansen ticken: "Sie sind Menschen sehr ähnlich, die Genetik stimmt zu 97 Prozent überein. Sie kennen Zuneigung, Liebe, Wärme. Sie können aber auch destruktiv und gewalttätig sein. Deshalb eignen sie sich bestens, um etwas über den Menschen und seine Verfassung auszusagen." Eine besondere Begegnung hatte der 50-Jährige mit Pavianen in einem Park auf der Kap-Halbinsel. Er sah, wie die Tiere Touristen beraubten und schlugen. "Meine Schwiegermutter wollte, dass ich was tue, schließlich war ich ja King Kong! Also bin ich raus und habe dem Pavian Respekt bezeugt ..."

Artikel vom 22. Juni 2014

Autor: Oliver Noelle