Keira Knightley

Früher Erfolg: mit sechs Jahren hatte Keira Knightley ihre eigene Agentin. - Foto: © dpa

Feminin, sexy und alles andere als harmlos: Keira Knightley

"Meine Jahre von 18 bis 25 waren ein ziemlicher Mist"

Vom frühen Erfolg überwältigt, durchlebte Keira Knightley schwierige Zeiten. Heute geht die frischgebackene Mutter selbstsicher ihren Weg.

Wenn demnächst das Actiondrama "Everest" im Kino zu sehen ist, wird Keira Knightley eine der emotionalsten Szenen des Films beisteuern. "Everest" erzählt von 33 Alpinisten, die 1996 beim Abstieg vom Mount Everest durch einen plötzlichen Wetterumschwung überrascht wurden und um ihr Leben kämpften.

Den Tod vor Augen, gelang es dem Bergführer Rob Hall per Funk und Satellit, mit seiner Frau zu sprechen. Im Film einigen sich beide in diesem letzten Telefonat auf den Namen des ersten gemeinsamen Kindes – denn Halls Frau Jan, gespielt von Knightley, ist schwanger.

Keira Knightley streift das Korsett ab

Keira Knightley in einem 3-D-Abenteuerfilm? Die Mehrheit der Kinogänger verortet sie viel eher in historischen Filmstoffen, mit denen sie so bekannt wurde: Ihre erste Oscarnominierung erhielt sie 2005 für die Verfilmung des Romans "Stolz und Vorurteil" ihrer Lieblingsautorin Jane Austen, deren Bücher sie als Teenagerin verschlang. Auch ihre Filme "Abbitte" und "Seide" (beide 2007) fallen in das Genre, ebenso "Die Herzogin" (2008) und die Verkörperung selbstzerstörerischer Frauen wie C. G. Jungs Patientin und Geliebter in "Eine dunkle Begierde" (2011) oder Tolstois "Anna Karenina" (2012), die aus Liebe Selbstmord begeht.

Doch immer wieder streift sie das Korsett ab, auf der Suche nach den rar gesäten Rollen, in denen eine Frau nicht als schmückendes Anhängsel des Filmhelden fungiert. Besonders weit ging sie in "Domino" (2005) und ließ als zornige Kopfgeldjägerin die Sau raus.

Viel Ruhm, viel Leid

Es gab durchaus Zeiten, in denen Keira Knightley kreuzunglücklich war mit dem frühen Starruhm. Die Tochter eines Schauspielers und einer Bühnenautorin machte erstmals 2002 als quirlige Fußballerin im Überraschungserfolg "Kick It Like Beckham" auf sich aufmerksam, dann ging es mit drei "Fluch der Karibik"-Filmen steil nach oben. Beim Dreh des ersten war sie gerade mal 17 Jahre alt.

Heute spricht sie in Interviews darüber, wie sehr sie unter der enormen Aufmerksamkeit litt: "Meine Jahre von 18 bis 25 waren ein ziemlicher Mist", sagte sie jüngst dem US-Modemagazin "Elle". "Okay, meine Karriere lief absolut unglaublich, sie wird wohl nie besser laufen als in meinen späten Teenagerjahren bis Mitte 20. Aber persönlich veränderst du dich enorm und versuchst, Dinge herauszufinden. Manche Leute haben eine wilde, tolle Zeit, ohne Rücksicht auf Verluste, und ich war das komplette Gegenteil. Ich war sehr schüchtern und brauchte viele Jahre, bis ich mir endlich Spaß erlaubte, anstatt es so vielen Leuten recht zu machen."

Keira Knightley geht selbstsicher ihren Weg

Sie lernte mühsam, sich zu schützen: Als die "Daily Mail" 2007 schrieb, dass sie unter Essstörungen leide, ging Knightley juristisch dagegen vor. Heute fühlt sie sich wohl in ihrer Haut, den roten Teppich und Starrummel aber sieht sie weiter als Kehrseite des Berufs. Wahrer Luxus ist für sie, sich Projekte nach Bauchgefühl aussuchen zu können, ohne arbeiten zu müssen.

Vom Millionen-Einkommen soll sie sich nur ein jährliches Taschengeld von etwa 40.000 Euro zugestehen, wenige ihrer Freunde sind im Filmbusiness zu Hause.

Obendrein kam am 1. Mai 2015 Tochter Edie zur Welt. Vater ist James Righton, Keyboarder der Indie-Rockband The Klaxons, mit dem Knightley seit 2013 verheiratet ist. Musik war garantiert nicht das verbindende Element: Sie kann laut eigener Aussage wenig damit anfangen und bezeichnet sich als "unmusikalischsten Menschen der Welt".

Als Sängerin in "Can a Song Save Your Life" (2013) hat sie das grandios überspielt, dazu braucht man Selbstbewusstsein. Heute hat Keira Knightley reichlich davon.

Artikel vom 16. September 2015

Autor: Dirk Oetjen