Jared Leto

Schurken statt Helden: Wie das Warner-Filmstudio mit dem Suicide Squad Marktführer Marvel das Fürchten lehren will. - Foto © picture alliance / AP Photo

"Suicide Squad"

Punks und Psychopathen

Ein menschliches Krokodil, eine psychopathische Ex-Psychiaterin und ein Latino-Gangster, der sich durch Willenskraft selbst entflammen kann: Wenn am 4. August 2016 "Suicide Squad" in die Kinos kommt, erleben die Zuschauer die vielleicht durchgeknallteste Superheldentruppe der Filmgeschichte.

Wobei – "Helden" ist eigentlich falsch ...zwar spielt der Film im Universum der Comicschmiede DC ("Superman" u. a.), doch mit dem Suicide Squad bekommt erstmals ein Team von Superschurken einen eigenen Kinofilm spendiert. Darin werden die gefährlichsten Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses von der knallharten Agentin Amanda Waller (Viola Davis, "How to Get Away with Murder") angeworben: Für eine geheime Regierungsorganisation sollen die neun äußerst talentierten Schwerverbrecher Himmelfahrtskommandos übernehmen, an die sich sonst keiner rantraut. Der Lohn der Einsätze: Jede erfolgreiche Mission verkürzt die lebenslange Strafe der Delinquenten.

Warner vs. Marvel

Mit "Suicide Squad", das derzeit noch in Toronto gedreht wird, bläst das Filmstudio Warner zum Angriff. Es geht um ein besonders umkämpftes, weil lukratives Kinosegment. Mit den Superheldengruppen "Guardians of the Galaxy" und vor allem den "Avengers" hat Konkurrent Marvel Megaerfolge gefeiert. Für Fox stehen die "Fantastic Four" (ab 13.8. im Kino) in den Startlöchern, und der sechste X-Men- Film "Apocalypse" kommt am 19.5.2016 – Gruppenarbeit liegt voll im Trend.

Sogar Will Smith hat das erkannt. Jahrelang hat der US-Star Ensemblerollen gemieden; selbst die Titelrolle in Quentin Tarantinos Kinohit "Django Unchained" lehnte er 2011 ab, weil sie ihm zu klein war. Doch Smiths beiden letzten Filme – "After Earth" (2013) und "Focus" (2015) – waren Kassenflops, sein Status als weltgrößter Kinostar ist Vergangenheit. Nun ist Will Smith als maskierter Profikiller Deadshot Teil des Suicide Squads.

Der Joker

Einer wird wohl trotzdem allen die Show stehlen: der Joker. Heath Ledger hatte für die Rolle des Killerclowns in "The Dark Knight" 2008 posthum den Oscar erhalten. Seine geniale Performance und sein tragischer Tod schienen eine Neubesetzung für lange Zeit unmöglich zu machen. Doch letztlich siegten wirtschaftliche Interessen. Warner will Marktführer Marvel endlich ein eigenes Superheldenuniversum entgegensetzen – und der berühmte Bösewicht Joker darf darin nicht fehlen. Ledgers Erbe tritt Jared Leto an. Erste Setbilder zeigen den Oscarpreisträger ("Dallas Buyers Club") als gestylten Freak mit giftgrünem Haar, Goldzähnen und Sportwagen – schon rein optisch ein Kontrast zu Heath Ledgers Schmuddel-Look.

Der Joker wird auch kein offizielles Mitglied des Suicide Squads sein. Stattdessen soll er meist aus seiner Gefängniszelle die Fäden ziehen. Über Rückblenden wird seine destruktive Beziehung zu Squad-Mitglied Harley Quinn (Margot Robbie, 24) erzählt: Durch den Joker wurde die renommierte Therapeutin zum psychopathischen Punk. Ein alter Bekannter wurde ebenfalls am Set gesichtet. Erst erhaschten Schaulustige in Torontos Innenstadt nur einen Blick auf seinen Wagen, ein mattschwarzes PS Monster, halb PKW, halb Raketenauto. Als dann auch noch ein dunkel gekleideter muskulöser Maskenmann mit Cape und Fledermausohren auftauchte, war klar: Batman wird bei "Suicide Squad" dabei sein! Schurken hin, Bösewichte her – so ganz ohne echte Helden geht es manchmal eben doch nicht.

Artikel vom 26. Juni 2015

Autor: Michael Tokarski