Tom Hardy im Interview

Im Kinohit "Mad Max: Fury Road" schießt und schweigt er nur – im Interview aber verrät Tom Hardy alles über den Dreh.

Tom Hardy im Interview

"Mad Max – Fury Road"

Eindrucksvolle Endzeitoptik, Highspeed- Auto-Action, ungeschminkte Brutalität – so wurden die drei Mad Max-Filme mit Mel Gibson zwischen 1979 und 1985 zu Welthits. Legendär: In Teil zwei der Reihe redet handgezählt nur 25 Sätze und lässt stattdessen Gaspedal und Knarre sprechen. In der Neuauflage mit dem Londoner Tom Hardy soll es sogar noch schweigsamer zugehen! Dafür war der 37-Jährige im Interview mit TV DIGITAL sehr viel auskunftsfreudiger.

TV DIGITAL: Wann haben Sie "Mad Max" entdeckt? Und was macht diese Filmreihe so cool?
Tom Hardy: Schwarzes Leder. Mel Gibson. Die Flinte. Der Hund. Ja, vor allem der Hund. (Tom Hardy lächelt – er kam nicht allein zum Interview, sondern brachte die dreijährige Bernhardinerhündin Georgia mit zum Termin. Georgia ist der Hund von Freunden in Calgary, Kanada, wo er gerade "The Revenant" drehte.) Ich wurde in dem Jahr geboren, in dem sie "Mad Max" drehten: 1977. Ich war noch zu jung, als der Film dann 1979 in die Kinos kam. Mit 10 oder 12 Jahren habe ich ihn endlich gesehen. Immer noch viel zu jung – aber die "Mad Max"-Trilogie gehörte damals einfach zum Pflichtprogramm. Als Teenager bekam ich einen Hund namens Mad Max geschenkt, einen schwarzen Pitbull-Labrador-Mischling. Der Name war Zufall, und ich habe ihn auf Maximus umgetauft. Er starb 2012, in dem Jahr, als ich "Fury Road" drehte.

TV DIGITAL: Welche der "Mad Max"-Folgen war Ihr Lieblingsfilm?
Tom Hardy: Der erste – und die zweite Hälfte des zweiten Films.

TV DIGITAL: Was fasziniert Sie an der Figur Max Rockatansky?
Tom Hardy: Max Rockatansky ist cool. Er war einer meiner Superhelden als Kind. Eine Ikone wie Batman oder Superman. Aber kein Supermensch, sondern echt. Er hat keine Superkräfte. Er trägt keinen Umhang, mit dem er fliegen kann. Er hat keine Laseraugen. Wenn er sich die Zehen stößt, tut ihm das weh!

TV DIGITAL: Stimmt es, dass es kein richtiges Drehbuch gab?
Tom Hardy: George Miller fehlten vielleicht die Worte, uns die Welt von Mad Max zu erklären. Aber er zeigte uns visuell, was er ausdrücken wollte. Er hatte den gesamten Film als 300 Seiten langes Szenenbuch gezeichnet. Und: George hatte den Film schon im Kopf geschnitten, lange bevor wir ihn überhaupt gedreht hatten. Die Realität am Set sah so aus, dass wir nie genau wussten, was eigentlich los war. Es gab einen Ablaufplan des Drehtags, und wir wussten, wann wir mit dem Dreh fertig sein mussten, aber ansonsten war jeder Tag eine Überraschung. Jetzt, wo ich das Endprodukt gesehen habe, verstehe ich total, warum George uns seine Vision nicht erklären konnte.

TV DIGITAL: Mad Max ist kein Mann großer Worte. Wie schwer war es für Sie, das darzustellen?
Tom Hardy: Es gibt zwei Mottos in George Millers Welt. Erstens: Alles hat seinen Preis. Und zweitens: Mensch zu sein ist mit Schmerz verbunden. Ich stellte mir Max wie einen alten Mann in Strickjacke vor, der eigentlich nur zu Hause sein und mit seinem Hund auf dem Schoß Fernsehen schauen möchte. Aber Max hat kein zu Hause. Er hat keinen Fernseher. Und er hat keinen Hund. Um ihn herum gibt es nur Schweigen, Schmerz und Zerstörung.

TV DIGITAL: Haben Sie Blessuren davongetragen?
Tom Hardy: Ich habe mir in einem Lkw-Stunt die Nase gebrochen. Ich hing mit einem Kabel am Heck des Lkw, mein Körper, meine Arme und meine Beine schwangen durch die Luft – aber meine Nase blieb an dem Kabel hängen (lacht). Ich biss einfach nur die Zähne aufeinander und arbeitete weiter, wie es Schauspieler der alten Schule – Harrison Ford etwa oder Mel Gibson – auch gemacht hätten. Und der Schmerz hat sich gelohnt.

TV DIGITAL: Wie gefährlich waren die Dreharbeiten?
Tom Hardy: Wir arbeiteten mit stählernen Fahrzeugen, die in der Sonne glühend heiß wurden. Und überall um uns herum gab es Autos, die ineinanderkrachten oder sich überschlugen, Motorräder, die durch die Luft flogen, Explosionen – alles war echt und nicht CGI. Es ist ein Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt wurde!

Artikel vom 13. Mai 2015

Autor: Anke Hofmann