Navigationsgeräte
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Navigationsgeräte verhindern Stress im Straßenverkehr. - Foto: © dpa

Navigationsgeräte und Navi-Apps im Test

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Straßenkarte? Nein danke! Wer sich heute noch bei der Fahndung nach dem Fahrtziel in der Patentfaltung verfranst, muss wirklich Lust am Leiden haben. Denn Navigationsgeräte sind inzwischen nicht nur preiswerter geworden, sie haben jetzt auch richtig große Displays, kennen sich besser aus denn je und bieten ständig mehr Komfort.

Drei von vier Autofahrern in Deutschland, so eine Studie des Branchenverbandes Bitkom, verlassen sich bereits auf Navigationsgeräte. Adresse eintippen oder ansagen, mehr braucht es nicht: Dank Satellitenkontakt wissen die Navis immer, wo sie sich befinden und wie man flott ans Ziel kommt.

Vor allem mobile Geräte werden immer beliebter. Auch, weil sie günstiger zu haben sind als die ab Werk ins Armaturenbrett integrierten Navigationssysteme. Und statt sich ein Autoleben lang zu binden, kann man die mobilen Navis nach ein paar Jahren austauschen – und so von neuen technischen Entwicklungen profitieren.

Dafür ist ein wenig Kabelsalat allerdings kaum zu vermeiden, eine Strippe zum Zigarettenanzünder ist etwa bei Urlaubsfahrten fast immer nötig, auch wenn die Akku-Laufzeiten kontinuierlich hochgeschraubt werden und heute bis zu vier Stunden betragen.

Das Gute an den neuen Navis: Sie haben aus ihren Fehlern gelernt. "Die Systeme sind viel intelligenter geworden", sagt Helmut Schmaler, Technik-Experte des ADAC, "vor allem beim Umfahren von Staus." Stockte auf der Autobahn der Verkehr, lenkten sie einen noch vor ein paar Jahren sofort auf die Umleitung – wo man dann mit allen anderen Navi-Nutzern die Straße verstopfte. Inzwischen berechnen die Geräte nicht einfach die kürzeste oder die schnellste Strecke, sondern berücksichtigen die aktuelle Verkehrslage sehr viel klüger.

Dabei nutzen die Navi-Hersteller die Bewegungsdaten, die ihre eigenen sendefähigen Geräte melden, und kooperieren mit den Mobilfunknetzen: Haben sich besonders viele Handys auf einer Umgehungsstraße eingebucht, bleibt man besser im Stau – und kommt dort unterm Strich wahrscheinlich schneller voran.

"Das funktioniert bei den TomTom-Geräten am besten", so Schmaler. Weil das niederländische Unternehmen das Straßennetz in kleinere Bereiche unterteilt, sind dessen Staumeldungen präziser.

Auch Apps fürs Smartphone nutzen heute solche Technologien. "Handys haben bei der Navigation zugelegt", sagt Helmut Schmaler, "vor allem die GPS-Chips sind wesentlich besser geworden." Das hat seinen Preis: Der eingeschaltete Ortungsdienst saugt den Handy-Akku schnell leer – ein Stromkabel ist im Auto unerlässlich.

Wer trotzdem sein Smartphone als Lotsen nutzen will, kann auf die Platzhirsche wie TomTom oder Navigon setzen, bei denen komplette Karten auf dem Handy gespeichert werden und mit denen die Routenführung auch bei fehlender Internetverbindung möglich ist.

Preisbrecher Skobbler bietet die Alternative: Die Online-Navigation kostet kaum etwas und arbeitet mit den aktuellsten Straßendaten, dafür muss man ständig eine Funkverbindung ins Internet haben. Wer will, kann aber auch Karten herunterladen.

Übrigens: "Betreibt man das Smartphone als Navigationsgerät in einer Halterung, gilt das Handyverbot im Auto nicht", so ADAC-Rechtsexpertin Katharina Bauer. "Schließlich darf ich ja auch ein Radio bei der Fahrt bedienen."

Wenn es ums Display geht, können Handys dezidierten Navigationslösungen jedoch nicht das Wasser reichen. Hier sind fünf Zoll Standard, und die ersten Geräte mit sechs Zoll drängen bereits auf den Markt.

Das hat vor allem Vorteile bei der Eingabe der Ziele, weil die Buchstabentasten schlicht größer sind. Dass auch die Namen von Nebenstraßen lesbarer angezeigt werden, ist ebenfalls hilfreich. Allerdings kann ein Riesen-Navi auch die Sicht behindern, je nach Fahrzeugtyp wird es unter der Windschutzscheibe schnell ganz schön eng.

Funktionen, die den Komfort vergrößern sollen, finden sich vor allem bei den Spitzenmodellen – und da gibt es fast nichts, was es nicht gibt: Einige TomTom-Geräte twittern auf Wunsch die Ankunftszeit ins Internet, Navigon-Navis lesen Staumeldungen vor, Falk setzt auf Infos aus den "Marco Polo"-Reiseführern, auch Zusatzdienste wie die schnellste Route zur billigsten Tankstelle sind – meist kostenpflichtig – zu haben.

Viele Argumente, die fürs Navi sprechen. Für die alte Straßenkarte gibt es nur eines: Sie funktioniert ganz ohne Strom.

Sind Blitzwarner erlaubt?

Viele Navis schlagen vor Blitzanlagen der Polizei Alarm - praktisch, aber illegal: In Deutschland ist der Betrieb von Geräten laut Gesetz verboten, die "dafür bestimmt sind, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören". Wird man mit einem Blitzwarner erwischt, drohen 75 Euro Bußgeld und 4 Punkte in Flensburg.

  • Im Test: Die neuen Navigationsgeräte
  • Falk Neo 550
    Dank integrierter Tipps aus den "Marco Polo"-Büchern übernimmt das Falk NEO 550 bei Städtetrips den Job des Reiseführers. Laut "Stiftung Warentest" ist der Testsieger sehr bedienungsfreundlich. Mit Sprachsteuerung, Bluetooth und 3-D-Darstellungen.
    Preis: ca. 220 Euro
    Info: www.falk-navigation.de

    Becker Professional 50
    Karten-Updates und Verkehrsinformationen sind beim Becker Professional 50 gratis – und das bis zum Lebensende des Geräts. Inklusive Sprach-Zieleingabe, Touchscreen, Bluetooth (damit wird das Navi zur Freisprechanlage) und 3-D-Streckendarstellung.
    Preis: ca. 250 Euro
    Info: www.mybecker.com

    TomTom Start 60
    Mit 15 Zentimetern (6 Zoll) ist das Display des TomTom Start 60 größer als das der meisten Navis, praktisch vor allem beim Eintippen des Ziels auf dem Touchscreen. Wer mag, kann Fehler auf den Karten selbst korrigieren; ein Fahrspurassistent hilft an Kreuzungen beim Einordnen.
    Preis: ca. 190 Euro
    Info: www.tomtom.de

    Garmin nüvi 3590LMT
    Das Garmin nüvi 3590LMT nimmt per Bluetooth Verbindung mit Android-Handys auf, liefert Wetter-, Verkehrsinfos oder Ziele. Mit lebenslangen Karten-Updates, Kreuzungsansichten in 3-D und (kostenpflichtiger) Routenführung zur billigsten Tankstelle in der Nähe.
    Preis: ca. 290 Euro
    Info: www.garmin.de

  • Im Test: Navi-Apps fürs Smartphone
  • Sind Handys die besseren Navis? Apps für Smartphones haben den Vorteil, dass sie aktuelle Verkehrsmeldungen über Mobilfunk empfangen und deshalb schnell auf Störungen reagieren und Umleitungen berechnen. Einziger Haken: Das kostet natürlich Verbindungsgebühren und kann im Ausland richtig teuer werden.

    Skobbler GPS Navigation
    Für 1,59 Euro bekommt man bei Skobbler GPS Navigation eine gute Navi-App (für iPhone oder iPad), die aber nur bei bestehender Internetverbindung funktioniert. Um ohne Netz zu navigieren, lädt man Karten für kleines Geld herunter.
    Preis: 3 Euro (Deutschland), 6 Euro (Europa)
    Info: www.skobbler.de

    Navigon-Software
    Die Straßendarstellung der Navigon-Software (für iPhone, Android, Windows Phone, Windows Mobile) gehört zu den besten, Karten-Updates und Zusatzfunktionen wie Live-Verkehrshinweise lassen sich bequem direkt (kostenpflichtig) herunterladen.
    Preis: 75 Euro (Europa)
    Info: www.navigon.de

    Artikel vom 24. Juni 2012

    Autor: Michael Fuchs