Smart-TV vereint Fernsehen und Internet
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Per WLAN lässt sich der Samsung UE40D8090 mit dem Heimnetz verbinden.

Smart-TV

Fernsehen und Internet vereint

Wer sich den Namen ausgedacht hat, muss einen wirklich schlechten Tag gehabt haben: "Hybrid broadcast broadband TV", abgekürzt HbbTV, ist ein übler Zungenbrecher. Was damit gemeint ist, darf man zum Glück auch Smart-TV nennen, das klingt sehr viel besser und ist ohnehin treffender: Die Verbindung von Fernsehen und Internet ist nämlich wirklich eine smarte Idee – denn schon jeder dritte Zuschauer surft nebenbei im Internet.

Was Smart-TV alles kann

Die neue Technik holt Netzinhalte jetzt direkt auf den Fernseher, ein Notebook auf den Knien zu balancieren ist nicht länger nötig. Statt sperrige Klötzchenseiten anzuzeigen, wie beim alten Videotext, werden Infos zu laufenden Sendungen, Nachrichten, Sportergebnisse oder der Wetterbericht elegant ins Fernsehbild eingeblendet.

Außerdem kann man verpasste Sendungen, aktuelle Kinotrailer oder Internetvideos gucken, im TV-Programm stöbern oder direkt im Internet surfen.

Geeignete Fernseher stehen, so eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), schon in rund zehn Prozent der deutschen Haushalte. Allerdings werden die neuen Möglichkeiten bislang nur von rund 13 Prozent der Besitzer auch wirklich genutzt. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass der Weg ins Netz so uneinheitlich ausgeschildert ist: Die Hersteller geben dem entsprechenden Menüpunkt gern Fantasienamen – etwa "Panasonic Viera Connect".

Der "Red Button"

Einen wichtigen Standard gibt es immerhin: den "Red Button", einen roten Knopf auf der Fernbedienung. Erscheint in einer Ecke des Fernsehbilds ein entsprechender Hinweis, genügt ein Druck auf den Button, um Inhalte zur gerade laufenden Fernsehsendung abzurufen. Das kann das Rezept zur Kochshow sein, aber auch ein interaktiver Dienst wie das Voting für eine Talentshow oder die Teilnahme an einem Gewinnspiel.

Dass allerdings bei den meisten Fernbedienungen bislang ein roter Knopf zum Ein- und Ausschalten diente, haben die "Red Button"-Erfinder wohl übersehen. Immerhin lassen sich die Tasten an ihrer Position unterscheiden: Der Smart-TV-Knopf ist eher in der unteren Hälfte des Tastenfelds zu finden, der andere meist ganz oben.

Verfügbar sind die Angebote bei den meisten Sendern längst, deshalb soll Smart-TV in diesem Jahr richtig in Fahrt kommen. Auch, weil mit der Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens am 30. April noch mehr Zuschauer auf digitalen Empfang umsteigen werden. Denn ohne den geht bei Smart-TV nichts.

Noch eine Einschränkung: Bislang bieten die meisten Sender HbbTV-Inhalte nur über Satellit (DVB-S) oder Kabel (DVB-C) an, im digitalen Antennenfernsehen DVB-T ist der Dienst derzeit noch in Arbeit.

Was braucht man noch für Smart-TV?

Natürlich einen schnellen Internetanschluss samt Flatrate. Sechs Megabit/Sekunde sollten es schon sein, sonst macht die Sache keinen Spaß.

Dazu einen internetfähigen Fernseher, aber das sind heute die meisten. Sofern man einen der eingebauten DVB-Empfänger nutzt, hat man schon alles, was für smartes Gucken nötig ist.

Auch ältere Fernseher kann man ins Netz bringen, und zwar gleich auf drei verschiedenen Wegen: Entweder über einen digitalen Receiver mit HbbTV, die wohl beste Möglichkeit, weil so alles problemlos funktioniert, nur eben mit einer zweiten Fernbedienung für den Receiver.

Oder man schließt eine Smart-TV-Box wie die von Videoweb TV an. Solche Geräte bieten allerdings keine unmittelbare "Red Button"-Funktion, mit der man aus dem laufenden Programm heraus Infos abrufen kann, dafür ist der Zugang zu den Mediatheken der Sender über ein eigenes Menü möglich. Ein bisschen umständlich, für den Anfang aber ausreichend – und deutlich günstiger als ein neuer TV.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt man mit der dritten Möglichkeit: einem Blu-ray-Player mit integriertem Smart-TV. Das funktioniert ähnlich wie eine Box, man spart sich aber ein Gerät. Der Fernseher muss natürlich noch einen HDMI-Eingang frei haben. Alternativ kann man zwar einen Umschalter bemühen, muss dann aber mit ein wenig Kabelsalat leben.

Netzwerkkabel oder WLAN?

Ob man TV oder Box über Netzwerkkabel oder drahtlos per WLAN mit dem Internetzugang verbindet, kann man sich bei vielen Geräten aussuchen, pure Geschmackssache ist es dennoch nicht in jedem Fall: Stehen zwischen Router und TV mehrere Wände, die den Empfang mindern, ist ein Kabel oft die bessere Wahl. Sonst ruckeln die Videos.

Nutzt man häufig eine Mediathek, ist ein Kabel besonders zu empfehlen – und gerade dieses Feature dürfte für viele das Spannendste an Smart-TV sein: "Tatort" verpasst? Kein Problem! Dank der ARD-Mediathek kann man den Krimi jederzeit starten und muss ihn nicht einmal aufnehmen. Aus juristischen Gründen sind einige Sendungen allerdings nur eine Woche abrufbar.

Inzwischen pflegen alle öffentlich-rechtlichen und privaten Sender ihre eigenen Mediatheken und bieten damit sehr komfortables Fernsehen auf Abruf.

Apps auch auf dem Smart-TV

Ein weiteres Highlight von Smart-TV sind die Apps: Kleine Zusatzprogramme, die ganz ähnlich funktionieren wie auf dem Smartphone. Die wichtigsten sind bei den meisten Fernsehern vorinstalliert, bei Samsung, Videoweb und anderen zum Beispiel TV DIGITAL mit Infos aus unserer Redaktion zum Programm, den Highlights des Tages und Trailern zu Kinofilmen. Die App von "Bild" ist bei vielen Fernsehern ebenfalls vorhanden, hier findet man Nachrichten aus der Welt der Promis, Sport, Lifestyle und Autotests.

YouTube bietet den Zugriff auf die Videos des Internetportals. Auch für Facebook und Twitter gibt es Apps, außerdem für Google Maps und Skype. Wer noch mehr möchte, kann Apps aus dem Internet nachladen, allein für Samsung-Fernseher gibt es mehr als 550, für Videoweb TV über 100. Viele Spiele sind darunter, aber auch Web-TV-Angebote, also Sender, die es nur im Internet gibt und die man so auf dem Fernseher gucken kann.

Auch Video-on-Demand-Dienste werden immer beliebter. War für Maxdome bislang ein eigener Empfänger nötig, kann man Filme von dort jetzt direkt am Fernsehschirm auswählen und -leihen – zumindest auf Geräten von Samsung, Philips, Humax, LG, Toshiba, Loewe, Technisat und Videoweb.

Der Konkurrent Lovefilm ist auf Sony-Fernsehern und der Playstation 3 verfügbar. Weil beide Dienste Geld kosten, ist allerdings eine eigene Anmeldung erforderlich.

Abgesehen von derlei kommerziellen Angeboten kostet Smart-TV aber – nichts! Der Grund: Der "Red Button" ersetzt den alten Videotext, deshalb will kein Sender etwas dafür verlangen. Und auch die Mediatheken, die es bislang frei im Internet gibt, bleiben gratis. In der Zukunft dürften jedoch weitere Angebote dazukommen, mit denen die Anbieter dann Geld verdienen wollen – womöglich auch durch Werbung.

Surfen mit dem Smart-TV-Gerät

Das "freie" Surfen im Internet ist mittlerweile auch bei immer mehr Smart-TV-Geräten möglich. Mit einem Internet-Browser wie auf dem Computer kann man dann wirklich jede Adresse im Netz ansteuern, das eigene E-Mailkonto etwa oder eine Nachrichtenseite, die es nicht als App gibt.

In der Praxis war das mit den begrenzten Möglichkeiten der Fernbedienung bisher allerdings mühsam, glücklicherweise haben inzwischen einige eine kleine Buchstaben-Tastatur auf der Rückseite, mit der sich die Internetadressen wesentlich leichter eintippen lassen.

Und nicht zuletzt wird dank Smart-TV der Fernseher auch zur Multimediazentrale: Videos, Fotos und Musik lassen sich über das Netzwerk, von einer Speicherkarte oder dem USB-Stick abspielen.

Smart-TV soll uns eben wieder vor den Fernseher locken, weg vom Computer. Das dürfte funktionieren, denn das größte neue Ding in der TV-Technik kann wirklich viel – und ebnet den Weg für weitere Entwicklungen. Beim nächsten Mal denken sich die Erfinder dann vielleicht gleich einen vernünftigen Namen aus.

Vorgestellt: Vier Smart-TV-Geräte

  • Samsung UE40D8090 - der Elegante
  • Schlankwunder: Beim Samsung UE40D8090 ist der Rahmen besonders dünn, per WLAN lässt sich das Gerät leicht mit dem Heimnetz verbinden. Das 40-Zoll-Display zeigt auch 3-D-Bilder an.
    Preis: ca. 1400 Euro
    Info: www.samsung.de

  • Videoweb-TV-Box - der Sparsame
  • Der günstigste Weg ins neue TV-Zeitalter: Die Videoweb-TV-Box bietet zahlreiche Apps (u. a. TV DIGITAL, Maxdome) und einen Web-Browser, einige "Red Button"-Funktionen sind nicht möglich.
    Preis: 149 Euro
    Info: www.videoweb.de

  • Philips 46PFL8606K/02 - der Erleuchtete
  • Die Smart-TV-Features des Philips 46PFL8606K/02 lassen sich auch per Handy bedienen. Der 46-Zoll-Fernseher ist 3-D-fähig und erzeugt dank Ambilight einen Lichtschein ums TV-Bild.
    Preis: ca. 1250 Euro
    Info: www.philips.de

  • Technisat Digit Isio S1-Smart-TV-Receiver - der Vielseitige
  • Zwei HDTV-Sat-Tuner, HD+, HbbTV inklusive: An den vielseitigen Technisat Digit Isio S1-Smart-TV-Receiver kann man auch eine Festplatte zum Aufzeichnen anschließen.
    Preis: ca. 300 Euro
    Info: www.technisat.de

    Fotos: © PR

    Artikel vom 18. März 2012

    Autor: Michael Fuchs